Verständliche Zusammenfassung des Landeshundegesetz NRW (LHundG NRW)

 

Laut LHundG NRW vom 18. Dezember 2002 werden Hunde in unterschiedliche Kategorien eingeteilt (§3 und §10, Listenhunde). Zudem gelten Hunde, die mehr als 20 kg wiegen und höher als 40 cm sind, als §11 Hunde (20/40iger Regelung). Kleine Hunde unterliegen keinen besonderen Auflagen (außer der Hundesteuerpflicht).

 

Wenn Sie Interesse an einem Listenhund (§3 und §10) gefunden haben und vielleicht auch schon das Objekt der Begierde auserkoren haben, müssen Sie sich leider noch etwas in Geduld üben, bis ihr Liebling endlich bei Ihnen einziehen darf.

 

Im Gegensatz zu einem kleinen oder einem 20/40 Hund, müssen Sie vor der Anschaffung eines Listenhundes einige Auflagen erfüllen.

 

Diese Hürden stellen im Großen und Ganzen für die meisten kein Problem dar. Woran es meist scheitert, ist die unverschämt hohen und ungerechtfertigten Hundesteuern für "gefährliche Hunde". Erfragen Sie bitte im Vorfeld bei Ihrer Stadt oder Gemeinde die Höhe oder schauen Sie im Internet auf der Homepage und der Rubrik "Hundesteuer". Diese variiert sehr stark und kann von Gemeinde zu Gemeinde sehr unterschiedliche sein. Achten Sie auch darauf, ob Sie die Möglichkeit einer Vergünstigung, durch z.B. einen bestandenen Wesenstest oder Ähnlichem, in Anspruch nehmen können.

 

Wenn Sie in der Lage sind, diese Kosten zu stemmen, dann beschreiben wir hier die weiteren Schritte.

 
 

§3 Hunde (“Liste 1”)

 

Der American Staffordshire Terrier, der Pitbull Terrier, der Staffordshire Bullterrier, der Standard Bullterrier sowie Kreuzungen mit diesen Rassen sind unter §3 (umgangssprachlich Liste 1), gefährliche Hunde, zu finden.

 

 Hier gilt:

 

  1. Der Halter muss mindestens 18 Jahre alt sein
  2. Der Halter muss den "großen Sachkundenachweis" beim Amtsveterinär bestehen und ein "sauberes" Führungszeugnis der Belegart R (polizeiliches Führungszeugnis) besitzen

  3. Der Halter muss körperlich in der Lage sein, den Hund sicher zu halten und zu führen
     
  4. Die Wohnung und der Garten müssen ausbruchssicher und verhaltensgerecht sein. Das könnte zum Beispiel bedeuten, dass der Garten mind. 1,80 Meter hoch eingezäunt sein muss. In vielen Fällen kommt jemand vom Ordnungsamt persönlich zu Ihnen nach Hause und vergewissert sich, ob ihr Grundstück “ausbruchssicher“ ist.  Diese Auflagen variieren oft stark. So kann es sogar sein, dass die Ordnungsbeamten  anstelle von normalen Klinken einen Drehknauf und abschließbare Fenster verlangen.
  5. Die Haftpflichtversicherung des Hundes muss eine bestimmte Höhe der Deckungssummen aufweisen. Mittlerweile ist es kein Problem mehr, eine gute und günstige Versicherung zu finden, die diese Option mit anbietet.

  6. Der Hund muss mit einem Mikro- Chip versehen sein und die Chipnummer muss dem zuständigen Ordnungsamt bekannt sein.

 

Außerdem benötigt das Tierheim oder der Tierschutzverein im Fall dass man zur Miete wohnt, die schriftliche Einwilligung des Vermieters, dass dieser mit der Haltung eines Hundes der XY ???? einverstanden ist.

 

In NRW ist der private Erwerb eines Listenhundes (nur §3) strafbar! Nur Tierheime oder anerkannte Tierschutzvereine haben die Erlaubnis, Listenhunde zu vermitteln. Es ist also auch verboten, solch einen Hund aus einem anderem Bundesland privat ohne Tierschutzvertrag hier her zu holen. In diesem Fall kann der Hund aufgrund von fehlenden erforderlichen Unterlagen nicht angemeldet werden. Für den Fall, dass eine illegale Haltung bekannt wird, wird der Hund wegen fehlender Halteerlaubnis beschlagnahmt und ins Tierheim gebracht. Man bekommt auf keinen Fall eine Halteerlaubnis für diesen Hund! Wie uns allen bekannt ist, wird er es sehr schwer haben, ein neues passendes Zuhause zu finden und ggf. sein restliches Leben im Tierheim verbringen müssen.

 

Bei uns in NRW gilt ein striktes Zuchtverbot dieser Hunde! Auch sind Kreuzungen mit diesen Rassen untereinander und mit “normalen” Hunden verboten!

 

Wenn das zuständige Ordnungsamt den Verdacht erhebt, dass es sich bei einem bestimmten Hund um eine Kreuzung eines §3 oder §10 Hundes handelt, ist der Besitzer verpflichtet, das Gegenteil zu beweisen.

 

Das Halten mehrerer Listenhunde ist erlaubt, jedoch darf man nur mit jeweils einem Tier auf einmal spazieren gehen. Das heißt, dass man nicht mit zwei Staffs gleichzeitig Gassi gehen darf. Jedoch erlaubt das Gesetz, dass man z.B. mit einem Staff und 10 Huskys gleichzeitig in die Öffentlichkeit darf...

 

Spazieren gehen dürfen Personen, die die erforderliche Sachkunde beim Amtsveterinär erfolgreich abgelegt haben, mindestens 18 Jahre alt sind und körperlich in der Lage sind, den “gefährlichen Hund” sicher zu halten und zu führen.

 

Ab dem 7. Lebensmonat gilt hier in NRW solch ein Hund als gefährlich, sprich, man muss sich an die Leinen- und Maulkorbpflicht halten. Es gibt aber zum Glück zwei Möglichkeiten, seinem Hund dieses zu ersparen.

 

Man hat die Möglichkeit,  “die Gefährlichkeit” seines Hundes ab dem Alter von 15 Monaten bei einer Verhaltensprüfung, besser bekannt als Wesenstest, zu wiederlegen. Dieser muss durch das Veterinäramt durchgeführt werden. Jedoch muss dieser Test nach spätestens 24 Monaten wiederholt werden, damit er seine Gültigkeit beibehält.

 

Bis der Hund sein 2. Lebensjahr vollendet hat, kann man durch den  regelmäßigen Besuch einer anerkannten Hundeschule einen schriftlichen Nachweis beim zuständigen Ordnungsamt vorlegen. Dadurch wird dem Hund dann der Maulkorb- und Leinenzwang erspart.

 

Ab dem Alter ab 24 Monaten hat man durch den Besuch einer Hundeschule nicht mehr die Möglichkeit, eine Befreiung von Maulkorb und Leine erteilt zu bekommen. Die einzige Möglichkeit besteht darin, einen Wesenstest zu absolvieren.

 

Wenn  Frau Meier mit Hund Shaggy in dem Wesenstest die Maulkorb- und Leinenbefreiung bekommt, so gilt das NUR für diese Kombination. Die Befreiung ist nicht übertragbar. Jeder, der den geprüften Hund ohne Maulkorb und/oder Leine führen möchte, muss einen erneuten Wesenstest ablegen. Man hat aber die Möglichkeit, den Wesenstest mit Hund Shaggy mit mehreren Personen abzulegen.

 

Hier in NRW hat man die Möglichkeit, sich den Amtsveterinär selber auszusuchen. Das heißt, wenn ich in Dortmund wohne, kann ich auch zum Wesenstest mit meinem Hund nach Bonn fahren.

 

Das bedeutet, dass man folgende Dinge vor der Anschaffung erfüllen muss:

 

  1. Schriftliche Erlaubnis des Vermieters, dass er mit der Haltung des Hundes der Rasse (z.B. Standart Bullterrier) einverstanden ist (Entfällt bei Eigentum)

  2. "Sauberes Führungszeugnis” und ein Mindestalter von 18 Jahren
  3. Hundehaftpflichtversicherung (Mindestdeckungssumme in Höhe von 500.000 Euro für Personenschäden und in Höhe von 250.000 Euro für sonstige Schäden)

  4. Haltegenehmigung vom zuständigen Ordnungsamt

  5. Chip- Pflicht und Registrierung beim zuständigen Ordnungsamt

  6.  Großer Sachkundenachweis vom Amtsveterinär

  7. Tierschutzvertrag

 

§10 Hunde (“Liste 2“)

 

Unter dem §10 (umgangssprachlich Liste 2) werden Hunde und Kreuzungen mit den Rassen Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Mastiff, Mastino Espanol, Mastino Napoletano, Fila Brasileiro, Dogo Argentino, Rottweiler und Tosa Inu gelistet.

 

Bei Hunden dieser Rassen gilt kein Zuchtverbot, auch kann man sie von Privat erwerben.

 

Den Wesenstest zur Maulkorb- und Leinenbefreiung darf nicht nur von einem Amtstierarzt, sondern auch von einer hier in NRW anerkannten sachverständigen Stellen (Sachverständige nach dem Landeshundegesetz NRW)  abgenommen werden.

 

Die theoretische Sachkundebescheinigung kann auch der o.g. Sachverständige abnehmen (http://www.lanuv.nrw.de/agrar/dok/sachverstaendige_lhundg_nrw.pdf)

 

Ansonsten gelten hier die die selben Auflagen wie bei einem §3 Hund.

 

Das bedeutet, dass man folgende Dinge vor der Anschaffung erfüllen muss:

 

  1. Schriftliche Erlaubnis des Vermieters, dass er mit der Haltung des Hundes der Rasse (z.B. Standart Bullterrier) einverstanden ist (Entfällt bei Eigentum)

  2. “Sauberes Führungszeugnis” und ein Mindestalter von 18 Jahren
  3. Hundehaftpflichtversicherung (Mindestdeckungssumme in Höhe von 500.000 Euro für Personenschäden und in Höhe von 250.000 Euro für sonstige Schäden)
  4. Haltegenehmigung vom zuständigen Ordnungsamt
  5. Chip- Pflicht und Registrierung beim zuständigen Ordnungsamt
  6. Großer Sachkundenachweis vom Amtsveterinär oder vom Sachverständigen des Landeshundegesetzes NRW

 

§11 Hunde (“20/40iger Hunde”)

 

Der Vollständigkeit halber gehen wir hier auch noch kurz auf die §11 Hunde (große Hunde) ein.

 

Darunter fallen alle nicht gelisteten Hunderassen, die ausgewachsen mindestens 20 Kilogramm wiegen oder eine Höhe von über 40 cm erreichen.

 

Der Halter muss die “Kleine Sachkunde” erfolgreich bei einem Tierarzt seiner Wahl abgelegt haben. Dieses gilt nicht für Personen, die der zuständigen Behörde versichern, dass sie mehr als drei Jahre schon große Hunde gehalten haben.

 

Der Gassigänger benötigt diese Sachkunde nicht.

 

Das zuständige Ordnungsamt hat die Möglichkeit, wenn ein Verdacht besteht, sich die Zuverlässigkeit des Halters durch ein Führungszeugnis bestätigen zu lassen.

 

Der Hund muss gechipt und haftpflichtversichert sein. Außerdem müssen diese Hunde nicht nur steuerlich, sonder auch beim zuständigen Ordnungsamt angemeldet werden.

 
 

Allgemeines

 

Aufgrund von aktuellen Ereignissen, möchten wir dringend darauf hinweisen, dass Hunde ohne FCI/VDH- Papiere der Rassen Miniatur Bullterrier (Größer als 35,5 cm), diverse “Boxermischlinge”, Continental/ Olde English/Alternativ Bulldog, Cane Corso, Pocket Bulli, American Bulli oder “sonstige Phantasierassen und Exklusivzüchtungen” nach dem Phänotyp des Hundes im Einzelfall schon des öfteren als §3 Hund (Staff- oder Pitbull- Mix) eingestuft wurden.

 

Dieses kann zur Folge haben, dass dieser Hund eingezogen wird!!! Alleine durch den Erwerb von Privat sind diese Auflagen nicht zu erfüllen.

 

Je nach Ermessen der Kommune hat diese die Möglichkeit, bestimmte Hunderassen einen bis zu 11- fach erhöhten Steuersatz aufzuerlegen.

 

Jede Kommune hat ihre eigenständigen Steuersätze für “gefährliche Hunde” z.B. die Stadt Monheim besteuert einen Listenhund mit 1320 Euro pro Jahr, Essen 852 Euro, Düsseldorf 600 Euro, Schwerte 96 Euro, z.B. Köln erhebt keinen erhöhten Steuersatz für Listenhunde,

 

In manchen Städten kann man z.B. durch einen Wesenstest oder einer anerkannten Prüfung eine Ermäßigung bekommen.

 

Außerdem kann jeder Hund, der

 

  • gezielt auf eine zum Nachteil des Menschen gesteigerten Aggressivität gezüchtet   und ausgebildet ist

  • einen Mensch gebissen hat, solange hierbei nicht zur Selbstverteidigung gehandelt wurde

  • einen Menschen in Gefahr drohender Weise angesprungen hat,

  • unberechtigt einen anderen Hund gebissen hat

  • oder unkontrolliert Wild, Vieh, Katzen oder andere Tiere hetzt

als gefährlicher Hund nach §3 eingestuft werden.

 

Laut dem “Hundeverbringungs- und -einfuhrbeschränkungsgesetz” (http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/hundverbreinfg/gesamt.pdf) vom 12. April 2001 ist es verboten, Hunde und Kreuzungen der Rassen American Staffordshire Terrier, dem Pitbull Terrier, dem Staffordshire Bullterrier und der Standard Bullterrier nach Deutschland zu importieren.

 

Jedes der 16 Bundesländer in Deutschland hat sein eigenes Landeshundegesetz. Wesensgetestete Hunde aus NRW haben zum Beispiel in Hamburg, Brandenburg u.s.w. keine Maulkorb- und Leinenbefreiung. Bitte erkundigen Sie sich vor dem Aufenthalt über die bestehenden Gesetzte, damit Sie sich und Ihren Vierbeiner nicht in Gefahr bringen. Die große Ausnahme ist Niedersachsen, dort werden ALLE Hunde, egal welcher Rasse sie angehören, gleich behandelt!

 

Auch bei Reisen ins Ausland ist große Vorsicht geboten! Viele unserer benachbarten Länder haben sehr strenge Regelungen und Gesetzte, die die Einfuhr bestimmter Hunde, wenn auch nur für einen Tag, strengstens untersagen! Bitte informieren Sie sich bei dem zuständigen Konsulat.

 

Für weitere Fragen können Sie uns sehr gerne jederzeit kontaktieren!

 

 


Quellenangaben und weiterführende Links:

 
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

 

Landeshundegesetz NRW


Ordnungsbehördliche Verordnung zu Durchführung des Landeshundegesetzes NRW (DVO LHund NRW)

Verwaltungsvorschriften zum Landeshundegesetz (VV LHundG NRW)

Hundeverbringungs- und Einfuhrbeschränkungsgesetz (HundVerbrEinfG)


Fragenkatalog zum Sachkundenachweis nach dem LHundG NRW für §3 & §10)


Landeshundegesetz NRW - LHundG NRW